VERANSTALTUNGSREIHE ZUR AUSSTELLUNG

                

 

21. November 2017, 19:30 Uhr
Prof. Dr. Susanne regener / Dr. Axel Doßmann
 
Fabrikation eines Verbrechers -
Der Kriminalfall Bruno Lüdke als Mediengeschichte
 
Der Berliner Kutscher Bruno Lüdke wurde als der „größte Massenmörder in der
Kriminalgeschichte“ bezeichnet: Fake-News von 1946, die die illustrierte Presse in Ost
und West gerne aufgriff. Die Tatortfotos und Verhörprotokolle mit dem geistig
behinderten Mann und vermeintlichen Frauen- und Serienkiller inspirierten auch
Regisseur Robert Siodmak und Schauspieler Mario Adorf für den preisgekrönten Film
„Nachts, wenn der Teufel kam“. Das Material für solche True Crime-Stories kam aus dem
Archiv der Kripo, die den Fall 1943/44 konstruiert hatte. Was fing die Mediengesellschaft
nach dem Vernichtungskrieg damit an – und was war tatsächlich der Fall?
Die Kulturwissenschaftlerin Susanne Regener demonstriert, wie Montagen von Tatort-
Fotografien populäre Vorstellungen vom „Bösen im Menschengestalt" anheizten. Der
Historiker Axel Doßmann diskutiert, inwiefern der bislang unterschätzte Film-Klassiker
als eine politische Intervention in die postfaschistische Gesellschaft der 1950er Jahre
verstanden werden kann. Das bildreiche Buch zum Kriminalfall ist bei Spector Books
Leipzig erschienen.