Sezierte Wahrheiten. Otto Prokop und sein Institut für Gerichtliche Medizin im geteilten Berlin

Eine Ausstellung des Instituts für Rechtsmedizin, des Instituts für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin und des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité

 Die Ausstellung „Sezierte Wahrheiten. Otto Prokop und sein Institut für Gerichtliche Medizin im geteilten Berlin“ knüpft thematisch an die dritte Staffel der ARD-Serie „Charité“ an und präsentiert ein weiter gefasstes Bild des herausragenden Gerichtsmediziners. Otto Prokop (1921-2009) wechselt als österreichischer Staatsbürger 1957 von der Bonner Uni in die Hauptstadt der DDR. Er übernimmt die Professur für Gerichtliche Medizin und wird Direktor des Gerichtsmedizinischen Instituts der Charitéin der Hannoverschen Straße 6.

In fünf Kapiteln folgt die Ausstellung Prokops ungewöhnlichem Lebensweg, der wie kaum ein zweiter das Ansehen der Charité im geteilten Berlin prägt. Vor den jeweiligen zeithistorischen Hintergründen werden die medizinischen Schwerpunkte seines Schaffens (u. a. Serologie, Blutgruppenforschung, Spurenkunde, Genetik) sowie sein berufliches Umfeld ausgeleuchtet. Wichtige Fälle aus seiner gerichtsmedizinischen Praxis belegen einen klaren Kopf, der als Forscher und Wissenschaftsorganisator, Gutachter und Autor ein international angesehener Wanderer zwischen den Welten war. Was für Otto Prokop zählt: gut dokumentierte Befunde vom Tatort, nüchterne Beobachtungen am Leichnam und sorgfältig ermittelte Ergebnisse aus dem Labor. Als überzeugter Naturwissenschaftler macht er sein Fach nach dem Zweiten Weltkrieg – zwischen Mauerbau und Mauerfall – in Ost-Berlin wieder groß. Im Spannungsfeld des Kalten Kriegs sezieren er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch mehrere „Mauertote“, was eine berufliche Nähe zur Staatsgewalt mit sich bringt. Politisch hält sich Prokop stets auf Distanz, die gesellschaftlichen Verhältnisse trägt er jedoch loyal mit. Als überzeugter Naturwissenschaftler bezieht der charismatische Redner zudem in seinen überfüllten Sonntagsvorlesungen immer wieder Position gegen medizinische Paraphänomene und Okkultismus.

 

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